Beim Tennis ist der Aufschlag von zentraler Bedeutung. Vom Spielgedanken des Tennis her gesehen, ist der Aufschlag ein so großer Vorteil für den Aufschläger, dass eigentlich jeder Aufschläger sein Service gewinnen sollte, und beim Spielstand von 6 zu 6 der Tiebreak entscheiden sollte. Da der Aufschlag der einzige Schlag beim Tennis ist, bei dem der Ball nicht vom Gegner kommt, sprich der einzige Schlag ist den der Gegner nicht beeinflussen kann, sollte der Aufschlag eigentlich relativ einfach sein, da er immer gleich ablaufen sollte. Soviel zur Theorie.
In der Praxis sieht das Ganze dann schon etwas anders aus. Die meisten Tennisspieler trainieren den Aufschlag viel zu selten, verlieren relativ oft ihren eigenen Aufschlag, und haben technische Mängel in der Ausführung des Aufschlages. Aus technischer und koordinativer Sicht kann man den Aufschlag als zwei getrennte Teilbewegungen sehen. Einmal die Schlagbewegung und zum Zweiten den Ballwurf. Die Schlagbewegung halten viele Spieler für viel schwerer als sie eigentlich ist. Wenn man beispielsweise einen ganz normalen Schlagballwurf mit einem Tennisball beherrscht, dann ist man schon sehr nahe an der richtigen Schlagbewegung dran.
Die zweite Teilbewegung ist der Ballwurf. Und hier beim Ballwurf liegt die eigentliche Schwierigkeit beim Aufschlag. Wirft man den Ball falsch und schlägt ihn trotzdem, dann wird der Aufschlag sicher nicht gut werden. In der Praxis wird der Ballwurf meistens auf die leichte Schulter genommen. Das Problem dabei ist, dass ein falscher Ballwurf großen Einfluss auf die Schlagbewegung haben kann, und diese sogar verschlechtern kann. Der Grund dafür liegt darin, dass der geworfene Ball immer das Ziel der Schlagbewegung ist, sowohl räumlich als auch zeitlich gesehen. Wird der Ball also zu niedrig geworfen, muss man versuchen die Schlagbewegung kürzer auszuführen, weil die normalen Bewegungsradien der richtigen Schlagbewegung einfach eine gewisse Zeit benötigen. Durch einen korrekten Ballwurf hätte man aber die Zeit für eine richtige Schlagbewegung. Wirft man den Ball zwar richtig hoch, aber an die falsche Stelle, muss man die Schlagbewegung auch nachteilig verändern.
Das große Problem beim Training des Ballwurfes liegt immer darin, dass sich niemand bewusst ist, wie viel Präzision eigentlich ein korrekter Ballwurf erfordert. Aus diesem Grund sollte man eigentlich öfters mal den Ballwurf ganz losgelöst von der Schlagbewegung trainieren, und sich ein “Wurfbild” vieler Ballwürfe auf dem Boden markieren (einfach den angeworfenen Ball auf den Boden fallen lassen, und diese Stelle markieren). Anhand dieses Wurfbildes sieht man sehr schnell wohin man tendenziell den Ballwurf richtet, und kann daran erkennen, ob der Ballwurf für die verschiedenen Aufschlagarten, Topsin, Slice oder gerader Aufschlag, überhaupt geeignet ist.
Leider ist so eine “Ballwurf-Trainingseinheit” im Kindertraining nie besondern spannend, und aus diesem Grund ist es eine ganz wichtige Aufgabe des Trainers, den Kindern die Bedeutung des Ballwurfs klar zu machen. Vorausgesetzt man hat eine gute Schlagbewegung, dann kann man den Ball durch einen guten Ballwurf, mit einer sehr hohen Aufschlagquote ins gegnerische Aufschlagfeld spielen. Mit anderen Worten, simmt der Ballwurf, geht der Aufschlag auch ins Feld. Ebenso sollte man im Kindertraining dringend darauf achten, dass die Kinder beim Aufschlag nie einen schlecht geworfenen Ball schlagen. Macht man dies trotzdem, dann passt sich automatisch die Schlagbewegung an den falschen Ballwurf an. Somit wird praktisch ein Fehler (der schlechte Ballwurf) mit einem anderen Fehler (eine falsche Schlagbewegung) kompensiert. Damit sind auch letztendlich die unterschiedlichen Aufschlag(Ab-)arten vor allem im Hobyb- und Freizeittennis zu erklären.